Psycho 4 Testbericht

Flysurfer Psycho 4 nach Da Benrhard


Testbericht Flysurfer Psycho IV 12m²


Erst zu mir:

Höhe 1,68m; Kampfgewicht 62kg; Landkiten seit 1999, seit 2005 mit Flysurfer (FS) Kites regelmäßig im Binnenland auf dem Wasser und Schnee; Oldschool: Onefooter Varianten sicher, Boardoff Varianten in Arbeit; Newschool: Raily, Surfacepass; höhere Kiteloops und mehr Unhooked in Arbeit.
Boards: 2005er Spleene Sessions: S28 128*36 und kleine Door S41 141*41

Ich war mit Mischa von kitejunkie.com in der letzten Woche bei den Fischköpfen auf Pelzerhaken und Fehmarn und hatte die Gelegenheit meinen neuen 12er PS 4 nochmal ausführlich auch im Highend und in der Welle zu fahren. Alles in allem bin ich den Kite wohl jetzt insgesamt gut 10 Tage gefahren, zusätzlich habe ich auch bereits vorher die meisten anderen Größen zumindest als Vorserie in der Hand gehabt.

Drehgeschwindigkeit:

Die wichtigste Verbesserung ist mal wieder die Drehgeschwindigkeit. Wer hier anführt, dass das auch bei allen Vorgängermodellen von FS behauptet wurde, der sollte mal den UrPsycho I zur Hand nehmen, um zu wissen, aus welchem tiefen Tal sich FS hier hochkämpfen mußte. (Beim 1er war es zum Teil einfacher zum Richtungswechsel auf einen anderen PS1 umzusteigen der gerade in die richtige Richtung fliegt… )
Der VIer ist hier nun in der Mittel bis Oberklasse gleichstarker Tubekites angekommen (Größenfaktor für Bows: * 1 – 1,1; für C`s * 1,2 -1,4). Der 12er PS VI liegt in der Loopgeschwindigkeit zwischen einem 10er und einem 8er Pulse2 bzw. Psycho III, also ein wircklich deutlicher Zugewinn (wahrscheinlich der Größte bisher) um über eine Kitegröße. Besonderheit und Neu ist hier, dass der Kite bei richtigem Trimm bei etwa 2/3 depowerter Barstellung am schnellsten dreht anstatt wie früher fast voll angepowert. Powert man mehr an dreht er zwar enger (trotz der Streckung ähnlich Pulse2) verliert aber auch Fluggeschwindigkeit. Depowert wird die Loopgeschwindigkeit erst bei voll depowerter Bar durch einen weiteren Flugradius wieder langsamer. Der Kite hält dabei aber auch extrem depowert Leinenspannung auf den Steuerleinen, was ihn hier lange steuerbar macht.
Ich habe den 12er kurz gegen einen 13er Takoon Furia Bowkite getauscht. Wie ich erwartet hatte, drehte der doch noch ein spürbares Stück schneller und enger bei etwa gleicher Kraft beim gestellten Fahren. Dazu sei aber gesagt, dass die Furia der schnellst drehende Kite ist den ich kenne. Trotzdem hat mir der Psycho wegen seiner viel aggressiveren Kraftenfaltung deutlich mehr Spass gemacht. Furia würde ich zwar auch sehr schönen Hochleister bezeichnen, an den Hochleistercharakter der FS Hochleister kommt aber einfach kein Bow den ich bis jetzt gefahren bín.
Auch konnte ich mit der Furia beim Kiteloop unabhängig von der Barstellung nicht ansatzweise soviel Beschleunigung wie beim Psycho heraus holen.

Flugcharakter/ Stabilität:

Sehr agressiv ist der PsychoIV eigentlich zu viel Hochleister für einen Freestylekite dachte ich jedenfalls am Anfang. Inzwischen muß ich aber sagen eine gute Kombi, die funktioniert. Der Kite hat mindestens so viel Fluggeschwindigkeit wie der Speed 2, ist aber eben zusätzlich auf Loopgeschwindigkeit getrimmt und hat dadurch aber gegen diesen etwa 10% weniger Kraft/Fläche.
Sehr wichtige Eigenschaft ist das Verhalten der Tips sich im depowerten Zustand weit in Richtung Kitemitte zu neigen, was FS als Depower über Reduzierung der effektiven Fläche um etwa 20% bewirbt. Dies hat aber nichts mit den klassischen Tipklappern von Matten zu tun, die Tips bleiben beim PS IV immer im widerstandsarmen Gleitflug. Verliert der Kite durch Unterspringen oder drauf zu fahren in der Welle die Leinenspannung, neigen die Tips dazu noch deutlich weiter nach innen zu fliegen bis sie im Extremfall sogar aufeinander zu liegen kommen. Alles in allem kann dieses Flügelschlagen von außen nach Innstabilität aussehen, im Grunde ist es aber ein sehr angenehme Reaktion des Kites auf Verlust der Leinenspannung anstelle eines sonst möglichen Frontstalls, den ich mit dem Kite bis jetzt eigentlich nie hatte. Ist der Kite im Extremfall dann als Hörnchen an den Windfensterrand zurück gedrifftet, öffnet er einfach wieder seine Flügel ganz ohne eine bei einem richtigem Stall üblichen Ruck.
Es wurde auch schon mal geschrieben, dass der Kite durch das starke nach innen fliegen des äußerne Ohrs im Turn Druck verliert. Richtig ist, dass die Ohren dann nach innen fliegen wenn der Kite nicht genug Leinenspannung/Druck sieht und nicht umgekehrt.
Trotzdem würde ich jedem Anfänger vorallem in den kleineren Größen von dem Kite abraten, da er einfach sehr schnell dreht, fliegt und aktiv und mit Gefühl geflogen werden will. Die Hochleister von FS sind und waren eben auch immer deutlich mehr Hochleister wie die meisten Bows/Tubes auf denen das nur draufsteht. Der Kite hat einfach ähnlich dem Speed eine so gute Gleitzahl, dass man ihn auch bei viel Wind nach Steuerfehlern schnell mal sehr weit am Windfensterrand wiederfindet, wo er keinen Druck mehr macht. So wie es mir manchmal bei Transitionvarianten passiert ist. Hier ist einfach eine gefühlvolle Hand und gutes Timming gefragt, weniger Geübte werden sicher mit einem Kite mit mehr Grunddruck (Synonym für schlechtere Gleitzahl) glücklicher.

Depower/Einsatzbereich:

Ich hatte jetzt auch endlich mal die Möglichkeit den Kite angebraten zu fahren, wobei ich das wirckliche Highend eigentlich noch nicht gefunden habe. Im Lowend gibt er sich wie schon geschrieben nicht viel zu seinem Vorgänger, muß aber hierfür mehr und gefühlvoller bewegt werden. Zum Highend denke ich, dass er ein gutes Stück länger geht wie der Vorgänger bzw. der Speed 2 wird aber auch sicher keine ganze Kitegröße ausmachen. Als Anschauung: Ich war mit meinem 12er und S28 und 62kg schön beim Oldschoolen ohne ansatzweise überpowert zu sein, während Mischa von kitejunkie.com mit 106kg, einer 140er Door und einem 10er Speed 2 auch Spass bei Sprüngen bis knapp 3m hatte….

Welle hocked:

Ist aufgrund der genannten Eigenschaften vorallem der hohen Depower und dem schnellen Drehen depowert ein Traum.

Unhooked:

Natürlich auch sehr gut, wobei ich hier noch nicht so der Experte bin. Wenn der Kite richtig getrimmt ist (siehe Bugs) reicht es leicht den Trimmer zur Hälfte zu ziehen, um den Kite sowohl hooked als auch unhooked ohne ständiges Trimmen zu fliegen. Ältere FS hatten hier immer einen recht kleinen Trimmbereich von 2-3cm in dem sie vernünftig unhooked geflogen sind. Beim PS IV kann man hier fast den gesamten Trimmer nutzen und den Kite damit auf mehr Kraft(Grundzug) oder mehr (stärker gezoger Trimmer) Drehgeschwindigkeit zu trimmen. Hab auch mal wieder ein paar unhooked Kiteloops damit gemacht. Fazit, im Gegensatz zu den älteren Kites bei denen man hier immer einen sehr kleinen Windbereich treffen mußte um nicht abzusaufen oder getollschockt zu werden, hatte man beim PS IV in einem weiten Bereich die Wahl und der Kite war trotz seiner Größe für mein Gewicht und meiner feigen niedrigen Hopser bei der Landung schon wieder im Steigflug.

Safty:

Nur bei wenig Wind getestet, aber aus der Summe der Erfahrung mit FS an 5ter Leine, würde ich sagen alles bestens so mußn eine Safty sein.

InfinityBar / Bugs:

Leider nicht umsonst, dass ich diese beiden Kategorien kombiniere.. Prinzipiel hat die neue InfinityBar von FS die sehr an die HissTecBar (Core/Carved) angelehnt ist und sogar dessen Loop mitbenutzt das Potential die beste Bar überhaupt zu sein. Denn sie hat praktisch alle Eigenschaften der bisher besten Bar -> HissTec wie der vollen Ausdrehbarkeit bei 5 Leinen
+ dreifach (40, 45, 50 oder 50, 55, 60) anstatt nur zweifach verstellbare Barbreiten
+ deutlich dünnere Bar als HissTec
+ Depowern/Powern auch bei hohen Lenkeinschlägen > 45°
+ in 3m Schritten trimmbare Flugleinenlänge
- Trimmbare 5te

Leider hat sie im Gegensatz zum Kite noch ein paar mehr oder weniger große Kinderkrankheiten:
Das der Depowertampen bei ein paar Bars mit einem “falschen Kreutzknoten” angeknüpft war ist nun mal Chinesenstyle, auf so was muß man wohl gefasst sein und auf solche Fehler sollte man seine Kitesachen wohl prinzipiel checken. Schon unschöner ist das bei der ersten Charge, der fahrerseitige Ausgang der 5te Leineführung nicht vernünftig endgratet war und hier die serienmäßige Sollbruchstellen- Leine maltretiert hat. Da mußte man dann die Muttern runter schrauben und selbst zum Schleifpapier greifen. Sollte aber bei den neueren schon bereinigt sein.
Was am ehesten ein Problem ist, dass der Metalleinsatz aus einem Stahl gefertigt ist, der nicht vollständig korrosionsbeständig ist, und nicht zu letzt dadurch der Depowertampen schneller maltretiert wird als man es bei einem “PremiumHersteller” erwarten dürfte. Zwar ist der sichtbare Depowertampen eigentlich nur ein Mantel über einer tragenenden 500daN Leine -> immer noch eine Tonne Bruchfestigkeit wenn der äußere Depowertampen durch ist…. Ein Ersatztampen ist beigelegt und der vorahandene wird sicher nochmal 30mal halten (mehr als bei manch anderer Marke) Trotzdem hoffe ich das FS das in den Griff bekommt bis dahin sollte man wohl öfters die neue Aussentasche für die Bar im neuen/alten Bag von 2002 nutzen um die Bar trocken zu halten. Naja Bag, das Bag ist zwar immernoch das alte, aber das war immer schlicht aber gut…von daher ok.

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Fazit:

Alles in allem ein extrem gelungener, wenn auch etwas Charakterkite, der aber vorallem in der 12er Größe bei meinen 62kg genau meine Anforderungen trifft bzw. alles kann was ich erwarte. Bei viel Wind jede Menge Sprunghöhe und Hangtime, aber noch kontorllierbar genug für neu Oldschool Sachen. Habe damit schon einige neue Boardoff-Varianten probiert, wenn auch wenig gestanden aber das liegt wohl an mir :-/ . Bei wenig Wind schnell genug um mich bei Newschool bzw. Kiteloops voran zu bringen, in der Welle immer zu Hause. Und dazu noch mit der 5ten und der besonderen Art der Stabilität wunderbar sicher.
Zusammen mit meinen beiden Boards und meinem 8er Pulse2 eine perfekte Kombi.

War heute morgen wieder mit dem 12er unterwegs, an dieser Stelle noch ein paar Ergänzungen bzw. Sachen die ich vergessen hatte.

Bar nachtrimmen:

Eigentlich jedem erfahrenen Kiter bekannt, sei aber doch erwähnt, dass man nach ein paar Sessions die DepowerVorlaufleine um etwa 6-10cm kürzen muss. Der Speed 2 ist von Haus aus eher so ausgeliefert, dass er am Anfang zu stark depowert angeknüpft ist und mit dem Dehnen der Leinen und Knoten dann seinen Idealzustand erreicht. Beim PS IV ist es dagegen eher so, dass er am Anfang optimal angeknüpft ist aber aufgrund der unvermeidlichen Dehnung der Leinen und Knoten nach ein paar Sessions wie gesagt nachgetrimmt werden muss. Ist aber eine bekannte Sache die bei allen Kites/Bars auftritt nur bei Tubes weniger auffällt, da man hier ohnehin jeden Tag neu anknüpft.

Halte und Steuerkräfte:

Wie alle FS Kites seit 05 kann man die Halte und Steuerkräfte individuell einstellen. In der Werkseinstellung „mittig“ sind die Haltekräfte schon eher sehr gering bei wenig Wind mir fast etwas zu wenig. Bei Leichtwind muss man hier dann doch gefühlvoll agieren, und den Oberkörper mehr über die Bauchmuskeln als über die Bar/Arme stützen.
Die Steuerkräfte dagegen die für die Erfühlbarkeit des Kites verantwortlich sind, sind im Verhältnis wie bei allen FS Kites hoch bzw. gut erfühlbar.
(Alle Bowkites die ich bis jetzt geflogen haben, haben leider die genaue umgekehrte, schlechte Variante: hohe Haltekräfte aber praktisch keine Erfühlbarkeit/Steuerkräfte)
Bei viel Wind steigen die Haltekräfte natürlich entsprechend, so dass ich bei viel Zeit auf dem Wasser und vielen hohen einhändigen Oldschoolsprüngen glücklich mit der Standarteinstellung war und sie wohl so lassen werde. Zum Vergleich, meinen Speed 2 15m² fahre ich auf Haltekräfte minimal, und er hat in dieser Einstellung immer noch etwas mehr Haltekräfte als der PS IV in der Mittelstellung. Dazu sei noch gesagt, dass die Haltekräfte auch noch durch die Einstellung der Profilwölbung beeinflusst werden (stabilerer Trimm => mehr Halte und Steuerkräfte). Meine Aussagen beziehen sich bei beiden Kites auf den Standarttrimm B = 0; C = 0 (Stichwort: Mixertest).

Weitere Einstellungsmöglichkeiten:

Man kann beim PS IV das mittlere leicht in Richtung Obersegel versetzte Einlassventil schließen oder teilschließen. Das soll bewirken, dass der Kite depowert weniger Luft bekommt und damit sein Profil weniger ausbildet => Depowert mehr Strömungsabriss, Pussyloops, On–Off–Feeling, weniger Performance, Gleitzahl, Höhelaufen, kurz gesagt mehr Bowcharakter. Da ich aber an den genannten Eigenschaften kein Interesse habe, habe ich es noch nicht ausprobiert.

Da Bernhard,
Visuelle Eindrücke zum Leichtwindkiten + Silberpfeil + 62kg finden sich hier:

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