Archivbeitrag: Horst Sergio (2016)
Vorwort
Dies ist kein reines HydroFoil-Fahrtechnik-Thema. Allerdings motiviert mich das Foil viel häufiger als das TwinTip, zu sagen: „Oh, mehr als ein Hektar tiefes Wasser mit gut 7 knt darüber! Da will ich hin! Aber wie und von welchem Spot aus? Ach, wer braucht schon Spots zum Aufbauen…“
Natürlich ist der Matten-Erststart im tiefen Wasser mit einem Volumen-(Foil)-Board einfacher als mit einem Board ohne Volumen (z. B. TwinTip). Wie wir sehen werden, geht es aber auch damit – sogar beim ersten Versuch. Dieses Manöver ist mit passender Matte bzw. Foilkite alltagstauglich, wenn man weiß, was man tut.
Sicherer Auf- und Abbau von Matten bzw. Foilkites im tiefen Wasser
Ich hatte das Thema hier auch schon einmal erläutert:
kiteforum.com – Thread zum Thema
Da es kürzlich gelang, den Ablauf fotografisch zu dokumentieren, und manche Kiter den Rat in der Sprache Goethes erbat, folgt hier eine aktualisierte, einfache Beschreibung.
Motivation und Inhalt
Wenn man einen ausreichend großen Spot hat, auf dem man beim Starten niemanden bedrängt, gibt es keinen Grund, im Wasser aufzubauen. Im Vergleich zu den meisten Spots ist der Aufbau im Wasser eine größere Belastung für Tuch und Nähte und dauert etwas länger als an Land.
Es gibt jedoch Gewässer, an denen kein 100% sicheres Starten möglich ist, z. B. wegen:
- Steilküsten
- Bebauung
- Schilfstreifen
- frequentierten Fußwegen
Dann steht man oft vor der Wahl:
- nicht zu kiten,
- ein Risiko einzugehen oder
- wenn man es kann: die Matte im Wasser auf- und am Ende wieder abzubauen.
Zudem sind viele Foilkiter bei wenig Wind unterwegs und können in einem Windloch enden. In diesem Fall ist es hilfreich, die Matte ordentlich abbauen und – wenn der Wind wieder anspringt – auch wieder aufbauen zu können.
Wer die Technik beherrscht, kann während einer Session beliebig oft auf- und abbauen – egal wie weit Ufer oder Stehbereich entfernt sind. Auch bei potenziell hoffnungslosen Krawatten hilft die Technik, um Leinen bis zum Kite aufzuwickeln, die Krawatte zu lösen und neu aufzubauen.
Da sich Auf- und Abbau in der Reihenfolge der Schritte unterscheiden, ist der Text so strukturiert, dass er weitgehend blockweise vorwärts und rückwärts lesbar ist. Voraussetzung ist, dass der Abbau nach diesem System an Land sicher sitzt.
Start: Vorbereitungen
Sinnvolles Material und Vorbereitung
- Board mit 10–30 Liter Volumen (Sitzen auf dem Board ggf. vorher üben)
- Handschuhe (sicherer und angenehmer beim Hantieren in Leinen)
- Safety-Leash mit ca. 1 m Länge für Bewegungsfreiheit
- Schwimmende Bar wäre nett – ist aber selten (seit 2008 schwimmt z. B. keine FS-Bar)
- Bar von überflüssigen Verhänger-Fallen entrümpeln (z. B. Klett am FS-Gurttrimmer, Querleine bei Ozone Bars)
- Verhänger-Fallen aus den Flugleinen entfernen (z. B. Knoten/Ringe sinnvoll positionieren)
Besonders geeignet sind mäßig gestreckte Matten mit guter Drainage und geringer Wasseraufnahme (z. B. viele Modelle von Flysurfer, dichte leichte Tücher wie Lotus).
Vorsicht: Manche Matten sind wegen Drainage-Durchmesser, Kappenformen oder hoher Wasseraufnahme ungeeignet bis unmöglich zu starten.
Bisher erfolgreich getestet (Auswahl):
- Flysurfer: Pulse 1–2, Psycho 3–4, Speed 1–4 (Lotus), Sonic 1–2
- Ozone: Chrono 1–2 (eher erschwert durch kleine Drainage, aber möglich mit Erfahrung)
Packen des Kites
Sauberes Packen vereinfacht den Ablauf vom Rausschwimmen bis zum Aufbau und verhindert Verstrickungen. Nachlässigkeit kann im Wasser schnell zu einem schweren, wassergetränkten Knäul führen.
(Der folgende Teil beschreibt die Packtechnik im Detail. Übe das zunächst an Land, bevor du es im tiefen Wasser versuchst.)
Bedingungen für die ersten Versuche
- Für erste Versuche: möglichst kleine Matte nutzen (muss ggf. nicht zum Fahren reichen)
- 9–12 knt Wind abwarten
- Alle Schritte zuerst an Land und im Stehbereich üben, dann schrittweise in tieferes Wasser
- Stabil auf dem Volumenboard sitzen können (bei TwinTip: sicher unter sich ausbalancieren)
Auf- oder Abbau der Matte auf dem Wasser
Wenn der Kite nicht wesentlich länger als das Brett ist, kann man ihn ohne Knicken auf das Brett legen. Wichtig: Anströmkante auf das Heck legen, damit Einläufe nicht Wind und Wasser einfangen.
Für größere Wellen kann eine Fixierung am Board helfen, oft geht es aber auch ohne. Beim Abbau sollte das Ablassventil geöffnet werden, sobald die Luft im Inneren weiteres Aufwickeln verhindert.
Resümee
Marko benötigte mit ungünstigem (volumenlosem) Board und ohne Tiefwasserstart-Erfahrung ca. 10 Minuten, um bei meist unter 10 knt aufzubauen und zu starten. Beim Autor waren es ca. 4 Minuten (ohne Fotostopp ggf. 3 Minuten). Mit Rausschwimmen zusammen rund 5 Minuten.
Fazit: Die Alltagstauglichkeit des Auf- und Abbaus im tiefen Wasser ist gegeben – bei passendem Material, Übung und sauberer Technik.