Harlem Thrive V2 Testbericht

Harlem Thrive V2 im Test: Mehr Lift, mehr Kontrolle, mehr Big Air

Du ziehst die Bar an, schickst den Thrive nach oben – und der Kite macht ziemlich unmissverständlich klar, was Harlem beim V2 verändert hat. Der Absprung kommt vertikaler, das Feedback direkter und nach dem Take-off steht ordentlich Lift zur Verfügung.

Dabei hat Harlem aus dem Thrive keinen komplett neuen Kite gemacht. Und das ist gut so. Schon der Thrive V1 war ein extrem vielseitiger 3-Strut-Allrounder. Der V2 behält genau diesen Charakter, bekommt aber mehr Windrange, ein präziseres Bargefühl und deutlich mehr Ambitionen beim Springen.


Was ist neu beim Thrive V2?

Die wichtigsten Änderungen stecken weniger im Konzept als in den Details:

  • neue 8-Punkt-Fixed-Waage

  • dünnere Leading Edge

  • PROWELD Leading Edge und Struts

  • überarbeitete, stabilere Trailing Edge

  • spitzer zulaufende Tips

  • verfeinerte Bladder-Konstruktion

  • 10 PSI Betriebsdruck

Das Ergebnis: Der Thrive V2 wirkt steifer und präziser, steht sauberer am Windfensterrand und lässt sich vor allem im oberen Windbereich besser kontrollieren.

THRIVE V2 Harlem Thrive V2 Kite im Test
THRIVE V1 Harlem Thrive V1 Kite im Vergleich zum Thrive V2

Neue Waage: mehr als nur acht Anknüpfpunkte

Besonders interessant ist die neue 8-Punkt-Waage. Durch die zusätzliche Abstützung konnte Harlem die Leading Edge etwas dünner gestalten.

V2 · 8-PUNKT-WAAGE 8-Punkt-Waage des Harlem Thrive V2
V1 · 7-PUNKT-WAAGE 7-Punkt-Waage des Harlem Thrive V1 im Vergleich

Eine dünnere Fronttube reduziert den Luftwiderstand. Dadurch kann der Kite weiter an den Windfensterrand fliegen – gut fürs Höhelaufen und für die Kontrolle bei viel Wind.

Gleichzeitig verändert sich die Geometrie des Kites beim An- und Depowern: Beim Anpowern öffnet sich der Arc und wird breiter, beim Depowern schließt er sich stärker.

In der Praxis sorgt das für eine erstaunlich große nutzbare Windrange. Gerade angeballert lässt sich der Thrive V2 lange kontrolliert fahren, ohne schwammig zu werden.


PROWELD: steifer, aber nicht brutal

Leading Edge und Struts setzen auf Harlems PROWELD-Konstruktion. Zusammen mit 10 PSI bekommt der Rahmen ordentlich Steifigkeit.

Und genau das spürst du an der Bar.

Steuerimpulse werden direkter übertragen und der Kite reagiert präziser. Trotzdem bekommt er nicht dieses extrem harte, teilweise aggressive Feedback, das manche sehr steifen High-Performance-Konstruktionen liefern.

Der Thrive bleibt angenehm – nur eben deutlich knackiger.

THRIVE V1 Harlem Thrive V1 ausgelegt – Form und Konstruktion im Vergleich
THRIVE V2 Harlem Thrive V2 ausgelegt – Form und Konstruktion im Vergleich

Handling: schnell war er schon, jetzt dreht er besser

Der Thrive V1 war definitiv kein langsamer Kite. Beim V2 hat Harlem deshalb weniger an der reinen Drehgeschwindigkeit gearbeitet, sondern vielmehr daran, wie der Kite durch den Turn geht.

Der V2 dreht runder und behält dabei besser seinen Zug.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein Kite, der beim engen Drehen stark um die eigene Achse tellert, verliert schnell Druck. Der Thrive V2 zieht dagegen sauberer durch den Radius.

Das macht ihn nicht nur beim normalen Freeriden angenehmer, sondern vor allem bei Kiteloops interessanter.

Die schmaler auslaufenden Tips reduzieren zusätzlich die benötigten Steuerkräfte. Dadurch fühlt sich der Kite agil an und lässt sich problemlos einhändig kontrollieren.

THRIVE V1 · TIP Harlem Thrive V1 Tip im Detail
THRIVE V2 · TIP Harlem Thrive V2 Tip mit schmaler auslaufender Tip-Geometrie

Absprung: hoch statt weit

Hier liegt für uns einer der größten Unterschiede zum V1.

Der vertikale Absprung funktioniert beim Thrive V2 richtig gut. Schirm hochschicken, Kante setzen, Bar ran – und ab geht's.

Dabei liefert der Kite gefühlt mehr Lift als sein Vorgänger. Er zieht dich weniger weit nach vorne, sondern will dich konsequent nach oben bringen.

Genau das macht den V2 deutlich interessanter für Big Air.

Auch die Hangtime hat zugelegt. An einen Harlem PEAK kommt der Thrive in dieser Disziplin zwar nicht ganz heran, für einen vielseitigen Freeride-Kite ist die Flugphase aber verdammt ordentlich.

Boardoffs und klassische Old-School-Tricks passen entsprechend sehr gut zum Charakter des Kites.


PRODUKT-TIPP Harlem Thrive V2 beim Kitesurfen
HARLEM KITESURFING

Harlem Thrive V2

ab 1.884 €

High-Performance 3-Strut-Allrounder für Freeride und Big Air. Viel Windrange, direkter Lift und starkes Loop-Recovery machen den Thrive V2 zum vielseitigen Performance-Kite.

  • PROWELD Leading Edge & Struts
  • 8-Punkt-Fixed-Waage
  • FlyLite Canopy
  • starker vertikaler Lift & Hangtime
  • schnelles Recovery bei Kiteloops
Harlem Thrive V2 ansehen →
Erhältlich in verschiedenen Größen.
Preis abhängig von der gewählten Größe.

Kiteloops: überraschend stark

Die kleinen Größen von 5 bis 7 m² wurden klar mit Blick auf Double Loops entwickelt. Spannend ist aber, wie gut das Loop-Verhalten auch in größeren Größen funktioniert.

Selbst der 9er lässt sich problemlos loopen.

Der Thrive zieht sauber durch den Loop und steigt anschließend schnell wieder nach oben. Genau dieses schnelle Recovery ist wichtig: Je früher der Kite nach dem Loop wieder Richtung 12 Uhr fliegt, desto zuverlässiger kann er dich vor der Landung auffangen.

Auch Heliloops lassen sich gut einleiten. Der Kite kann weit hinter den Fahrer gestellt werden und bleibt dabei kontrollierbar.

Wer seine ersten ernsthaften Kiteloops angehen oder seine bestehenden Loops weiterentwickeln möchte, bekommt hier ein ziemlich interessantes Werkzeug.


Bar-Gefühl: direkter, aber nicht nervös

Das Bargefühl gehört zu den klaren Verbesserungen gegenüber dem V1.

Du weißt ziemlich genau, wo der Kite steht, ohne ständig hohe Haltekräfte in den Armen zu haben. Die Kombination aus steiferem Rahmen, neuer Waage und überarbeiteten Tips macht den Thrive präziser.

Besonders praktisch: Der Kite lässt sich sehr gut einhändig fliegen und sogar einhändig loopen.

Für Boardoffs und andere Airstyle-Tricks ist das Gold wert.


Highend: hier hat Harlem ordentlich nachgelegt

Beim Test konnte ein Fahrer mit rund 65 kg den 9 m² Thrive bei etwa 30 bis 35 Knoten noch kontrolliert fahren und saubere Sprünge setzen.

Das zeigt ziemlich deutlich, wo eine der Stärken des neuen Designs liegt.

Die dünnere Leading Edge hilft dem Kite, weiter nach vorne zu fliegen, während die Waage und der steife Rahmen verhindern, dass die Form unter Last zu stark arbeitet. Beim Depowern verändert sich zusätzlich der Arc.

Das Resultat ist ein Highend, das für einen Allround-Freerider wirklich stark ausfällt.


Und das Lowend?

Die zusätzliche Highend-Kontrolle wurde zum Glück nicht mit einem schwachen Lowend erkauft.

Mit demselben 65-kg-Fahrer waren im 9er bereits bei ungefähr 13 bis 17 Knoten kleine Kiteloops und Old-School-Manöver möglich.

Damit deckt der Thrive weiterhin einen enorm breiten Bereich ab.

Genau das ist seine eigentliche Stärke: Du kaufst hier keinen hochspezialisierten Big-Air-Kite, der erst richtig Spaß macht, wenn es komplett eskaliert. Der Thrive funktioniert auch an normalen Tagen.


Relaunch

Der unkomplizierte Allround-Charakter bleibt auch beim Relaunch erhalten. Die überarbeitete Tip-Geometrie und die stabile Form helfen dabei, den Kite kontrolliert aus dem Wasser zu bekommen.

Gerade für Fahrer, die nicht ausschließlich Big Air fahren, sondern einen Kite für möglichst viele Bedingungen suchen, gehört diese Alltagstauglichkeit zum Gesamtpaket.


Material & Verarbeitung

Harlem setzt beim Thrive V2 auf:

  • PROWELD Leading Edge

  • PROWELD Struts

  • FlyLite Canopy

  • verstärkte bzw. verfeinerte Trailing Edge

  • überarbeitete Bladder-Konstruktion

THRIVE V2 Inflate-System und Konstruktion des Harlem Thrive V2
THRIVE V1 Inflate-System und Konstruktion des Harlem Thrive V1 im Vergleich

Besonders sinnvoll finden wir die Änderungen an der Trailing Edge. Das stabilere Material soll Weißrisse reduzieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Hinterkante unter Last sauberer bleibt.

Aerodynamisch ist das ebenfalls relevant: Eine flatternde oder stark verformte Trailing Edge erzeugt unnötigen Widerstand und kann die Strömung früher ablösen lassen. Eine sauber gespannte Hinterkante hilft dem Profil dagegen, auch unter wechselnder Last kontrolliert zu arbeiten.


Thrive V1 vs. Thrive V2

Thrive V1

  • sehr guter Allrounder

  • bereits schnelles Drehverhalten

  • gutmütig und vielseitig

  • solide Big-Air-Eigenschaften

Thrive V2

  • rundere Turns mit weniger Druckverlust

  • direkteres Feedback an der Bar

  • größerer nutzbarer Windbereich

  • besseres Highend

  • stärkerer vertikaler Lift

  • mehr Hangtime

  • schnelleres Recovery nach Loops

  • steiferer Rahmen

  • noch interessanter für Kiteloop-Progression

Der entscheidende Punkt: Harlem hat den Thrive nicht radikal verändert, sondern seine Schwachstellen gezielt bearbeitet.


Fazit: Der Allrounder ist sportlicher geworden

Der Harlem Thrive V2 bleibt ein echter Allrounder. Aber einer, der inzwischen ziemlich deutlich in Richtung Performance-Freeride und Big Air schielt.

Die größten Fortschritte spürst du beim Absprung, im Highend, beim Bargefühl und bei Kiteloops. Der Kite dreht schnell und rund, verliert im Turn wenig Druck und schießt nach dem Loop zuverlässig wieder nach oben.

Gleichzeitig bleibt er kontrollierbar und angenehm genug, um nicht nur bei 35 Knoten Spaß zu machen.

Wenn du einen Kite suchst, mit dem du entspannt freeriden, Old School fahren, hoch springen und ernsthaft an deinen Kiteloops arbeiten kannst, ist der Thrive V2 ein verdammt spannendes Gesamtpaket.

Was uns gefällt: enorme Windrange, direkteres Feedback, starker vertikaler Lift und richtig gutes Loop-Recovery.

Was du wissen solltest: Wer einen kompromisslosen Big-Air-Spezialisten sucht, findet mit dem PEAK noch mehr Fokus auf maximale Performance. Der Thrive punktet dagegen mit seiner deutlich größeren Vielseitigkeit.

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